Substrat

Für die dauerhafte Kultivierung von Pflanzen in einer Hermetosphäre muss das Substrat bestimmte Kriterien dringend erfüllen:


1. Struktur
Die Hermetosphäre baut auf die Prinzipien der Hydrokultur auf. Die auf Dauerhaftigkeit angelegte Pflanzenkultur der H-Sphäre bedarf eines langlebigen, formstabilen Substrats. Damit der Gasaustausch im Wurzelraum gewährleistet bleibt, es also nicht zu Fäulnis kommt, und damit das Wasser frei in alle Bereiche diffundieren kann, muss das Substrat relativ grobkörnig sein und darf sich nicht verdichten. Anorganisches Material mit einer Körnung von 2-6 mm ist hier das Substrat der Wahl.

2. Chemie
Das Substrat muss chemisch neutral sein. Es sollte weder alkalisch sein (Kalk), noch das Millieu übermäßig ansäuern.
Weiterhin darf das Substrat keine bzw. nur geringe Mengen Nährstoffe enthalten. Mit der Nährstoffmenge beeinflussen wir unmittelbar die Wuchsleistungen der Pflanzen. Das Ziel in einer Hermetosphäre sind gesunde, aber schwache wachsende Planzen. So wird vermieden, dass die Pflanzen den ihnen zur Verfügung stehenden Raum früher oder später sprengen.

3. Schichthöhe
In der Substratschicht finden die Wurzeln der Pflanzen und Mikroorganismen Raum zum Leben. Im Substrat finden also vor allem abbauende Soffwechselprozesse statt, die Sauerstoff verbrauchen. Aus diesem Grund ist es von großer Wichtigkeit, die Menge des Substrats in ein angemessenes Verhältnis zu setzen, mit dem für aufbauende Prozesse zur Verfügung stehenden Raum oberhalb der Substratschicht. Denn hier findet die Photosythese, also die Sauerstoffproduktion statt. Herkömmliche Flaschengärten werden traditionell mit einer Drainageschicht und einer Schicht Blumenerde befüllt. Insgesamt ergeben sich dadurch oft viel zu große Schichthöhen. Bei Hermetosphären fällt die Blumenerde weg, wodurch sehr viel weniger Substrat zum Einsatz kommt.
Ideal ist eine Schichthöhe, die in etwa 10% – 20% der Gesamthöhe des verwendeten Gefäßes entspricht.


Gut geeignete Substrate:

Als sehr gut geeignet erweisen sich anorganische Substrate mit möglichst großer Oberfläche.

Blähton für Hydrokultur.
Blähton für Hydrokultur.

Hydrokultur-Substrat, also Blähton (Lecaton®) kleiner bis mittlerer Körnung, ist sehr luftig, formstabil, nährstofffrei und zudem überall erhältlich und erfüllt damit alle Ansprüche, die an das Substrat gestellt werden.

Diesem sehr ähnlich sind Bodenschüttungen (Maxit®, Fibotherm®) aus der Baustoffabteilung. Man bekommt sie meist nur in großen Säcken, dennoch sind sie deutlich günstiger als Hydrokultur-Substrat. Sie sind darüber hinaus feinkörniger und eigenen sich gut für kleine H-Sphären.

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Lavagranulat der Körnung 2-6 mm.

Geradezu perfekt für unsere Zwecke ist Lavagranulat, welches als Bodengrund in der Aquaristik, als anorganischer Gartenmulch, als Winterstreu oder als Zuschlagstoff für Bonsai-Substrate gehandelt wird. Durch seine offene, poröse Struktur bietet es eine sehr große Oberfläche, Siedlungsraum für Mikroorganismen und Halt für die Pflanzenwurzeln. Ich arbeite fast ausschließlich damit.

Weiterhin geeignet sind z.B. Bimstein und alle chemisch neutralen Kies-Sorten entsprechender Körnung. Ob dunkler Granit, grauer Basalt oder heller Quarz ist Geschmackssache.

Akadama, doppelt gebrannt.
Akadama, doppelt gebrannt.

Ein brauchbares Material ist auch Akadama, ein Tonmineral, das in der Bonsaikultur Verwendung findet. Das doppelt gebrannte Akadama ist dabei dem einfachen vorzuziehen, da es formstabiler ist.

Ebenfalls aus dem Bonsaibereich kommt Keto Tsuchi. Mit diesem japanischen Schwarztorf kann man größere Lava- oder Bimssteine einschmieren. Moose und bodendeckende Pflanzen, wie Hemianthus callitrichoides gedeihen auf dieser dünnen organischen Unterlage sehr gut.

Für Acrylglaskugeln bieten sich Steckschwämme an.
Für Acrylglaskugeln bieten sich Steckschwämme an.

Für die Bepflanzung von Acrylkugeln bietet sich Steckschwamm für Blumengestecke an. Nach gründlichem Wässern (er muss komplett durchnässt sein) lässt sich der Steckschwamm hervorragend mit dem Messer in eine Halbkugel-Form schneiden. Mit einem Löffel wird dann eine Mulde ausgestochen, die man mit Weißtorf oder Kokohum auffüllt und bepflanzt. Der Steckschwamm selbst lässt sich mit Moos kaschieren. Diese bepflanzten Steckschwammtöpfe lassen sich hervorragend handhaben und in Acrylglaskugeln einbringen.

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Phalaenopsis auf Torfmoos.

Auch reines Torfmoos (Sphagnum), ob lebend oder abgestorben, kommt als Substrat in Frage. Seit einem Jahr läuft bei mir ein bisher ganz erfolgreicher Kulturversuch mit einer Phalaenopsis auf Torfmoos. Die Struktur bleibt locker und luftig, selbst wenn das Moos schon lange abgestorben ist.
Auch andere Moose als alleiniges Substrat sind denkbar.

Die bezüglich der Anlage eines Flaschengartens häufig zitierte Empfehlung, dem Substrat Holzkohlestücke beizumengen, kann ich inzwischen nicht mehr nachvollziehen. Holzkohle ist aufgrund seiner Formstabilität und seiner porösen Struktur sicher ein guter Zuschlagstoff. Besonders vorteilhafte Effekte in Bezug auf Boden- oder Pflanzengesundheit konnte ich bisher jedoch nicht beobachten. Auch potentiellen Pilzbefall vermag Holzkohle nicht zu verhindern.

 


Weniger gut geeignete Substrate:

Von Seramis® als Substrat kann ich nur abraten. Es ist nicht formstabil, was sich vor allem am Abrieb zeigt, der durch Kapillarkräfte an den feuchten Innenseiten des Glases empor steigt und hässliche Schlieren verursacht.

Kies-Sorten, die das Millieu chemisch verändern, wie z.B. Marmorkies, sind nicht geeignet. Der Kalkgehalt eines Substrats lässt sich einfach mit Essigessens nachweisen. Schäumt der Essig bei Kontakt auf, dann ist das Substrat kalkhaltig und unbrauchbar.

Organische Substrate sind im Allgemeinen nicht gut geeignet. Auf lange Sicht verdichten sie, was den Gasaustausch behindert und zu Fäulnis führen kann. Außerdem zersetzen sie sich mit der Zeit und geben Nährstoffe frei, die zu einem unerwünscht üppigen Pflanzenwachstum führen können. Ich benutze manchmal Weißtorf oder ungedüngtes Kokohum als dünne organische Auflage auf dem Lavagranulat, insbesondere für kleine Sonnentau-Arten.
Vorgedüngte Blumenerde ist gänzlich ungeeignet.


Oft liest man im Zusammenhang mit Flaschengärten, dass man das Substrat vor Einbringung durch Erhitzen im Ofen, der Mikrowelle oder mittels kochenden Wassers sterilisieren solle. Auch ich habe das anfangs getan und leider sogar kolpotiert. Dabei ist ein solches Unterfangen schlicht sinnlos. Sterile Bedingungen sind außerhalb eines Labors überhaupt nicht zu erzielen und in der Hermetosphäre auch gar nicht erwünscht! Viel wichtiger ist ein ausgewogenes ökologisches Gleichgewicht zwischen allen Bewohnern, angefangen von Mikroorganismen bis hin zu den kultivierten Pflanzen.

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