Hermetosphäre vs. Flaschengarten

Die Hermetosphäre unterscheidet sich in drei wichtigen Punkten vom herkömmlichen Flaschengarten:


Der wichtigste Unterschied findet sich in der Geschlossenheit. Die Hermetosphäre (lat.: hermetice – verschlossen; griech.: sphaira – die Hülle) besteht aus einem stets und dauerhaft geschlossenen Kulturgefäß. Flaschengärten sind diesbezüglich nicht klar definiert. Im deutschen Sprachraum versteht man darunter sowohl bepflanzte Goldfischgläser oder offene Vasen, als auch geschlossene Gefäße, wie z.B. Weinballons. Im englischen Sprachraum findet der Begriff ‘bottle garden’ sogar noch breitere Anwendung. Hier bezeichnet er auch aufgeschnittene Plastikflaschen, die als Blumentöpfe dienen.
Die Geschlossenheit des Systems minimiert unseren Pflegeaufwand. Das regelmäßige Gießen fällt praktisch weg. Innerhalb des geschlossenen Systems der Hermetosphäre entsteht ein autarker Stoffkreislauf, der darüber hinaus ganz besondere ökologische Faktoren erzeugt. Es entstehen Lebensbedingungen, die den Einsatz sehr spezieller Pflanzenarten bedingen bzw. für die Wohnzimmerkultur erst erschließen.

Hermetosphäre im Januar 2014. U. Soltau©.
Hermetosphäre im Januar 2015. U. Soltau©.
Die gleiche Hermetosphäre ein Jahr später, im Januar 2016. U. SoltauDie gleiche Hermetosphäre ein Jahr später, im Januar 2016. U. Soltau©.
Die gleiche Hermetosphäre ein Jahr später, im Januar 2016. U. Soltau©.

Der zweite Unterschied liegt in der Wahl des Substrates. Pflanzen in der Hermetosphäre wachsen überwiegend auf anorganischem Substrat. Dies hat viele Vorteile. Es verrottet nicht und verhindert so eine Verdichtung des Bodens. Es gewährt einen leichten Gasaustausch, den es braucht, damit es nicht zu Fäulnis kommt und die Wurzeln atmen können. Es sorgt durch seine offenporige Struktur für eine gleichmäßige Feuchtigkeitsverteilung im Substrat. Und es enthält kaum Nährstoffe, was wichtig ist, damit die Pflanzen möglichst langsam wachsen und klein bleiben.
Der Hermetosphäre ist also eine Form der Hydrokultur in einem geschlossenen System.

Der dritte Unterschied liegt in der Dauerhaftigkeit. Der normale Flaschengarten wird häufig nur für einen gewissen Zeitraum geschaffen. Floristische Aspekte, oder schulische Lehrinhalte stehen im Vordergrund. Den tatsächlichen biologischen Ansprüchen der eingesetzten Pflanzenarten wird kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Oft kommen ungeeignete Pflanzen zum Einsatz, wie z.B. Sukkulente, stark rankende Tradiscantien oder sogar heimische Gewächse. Ihre Lebensansprüche sind nicht auf die extremen, feucht-tropischen Bedingungen eines geschlossenen Systems abgestimmt. Meist gehen diese Pflanzen darin nach kurzer Zeit zugrunde. Die Hermetosphäre hingegen ist auf Beständigkeit angelegt. Das schlägt sich sowohl in der Auswahl eines adäquaten Substrats, als auch in der sorgfältigen Wahl geeigneter Pflanzenarten nieder.


Zusammengefasst ist die Hermetosphäre also eine Unterkategorie des Flaschengartens. Zum Zwecke einer deutlichen Abgrenzung entstand im Jahr 2006 der Begriff Hermetosphäre (lat.: hermetice – verschlossen; griech.: sphaira – die Hülle). Die Unabhängigkeit eines geschlossenen Kultursystems für Pflanzen, gepaart mit dem Anspruch auf Dauerhaftigkeit, ergeben in Summe eine Hermetosphäre – im Folgenden auch H-Sphären genannt.

Einmal eingerichtet kann eine H-Sphäre über Jahre ohne weitere Eingriffe funktionieren und Freude bereiten. Meine bisher älteste H-Sphäre geht jetzt ins fünfzehnte Jahr und hat auch meine langen Auslandsaufenthalte unbeschadet überstanden. Kürzlich wurde in den Medien von David Latimer berichtet, einem Briten, der sein geschlossenen Weinballon angeblich schon seit über 40 Jahre  betreibt.

Mit diesen Eigenschaften ist die Hermetosphäre die ideale Form der Pflanzenkultur für den Menschen der Postmoderne, oder schlicht solchem ohne den sog. „grünen Daumen“. In jeder Wohnung findet sich ein Raum für eine H-Sphäre, für einen kleinen, sich selbst erhaltenden Mikrokosmos – ein Ort der kontemplativen Meditation.

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